Verkehrswende jetzt! 3.000 Menschen demonstrieren gegen Ausbau des Südschnellweg

 

Mit einer Fahrraddemo über den Südschnellweg haben knapp 3.000 Menschen heute Mittag deutlich gemacht, dass sie die geplante Naturzerstörung und die anhaltende Missachtung bestehender Klimaabkommen nicht widerstandslos hinnehmen.

 

Bevor der etwa 2 Kilometer lange corona-konforme Fahrradzug vom Trammplatz aus die Hildesheimer Straße, den Südschnellweg, den Landwehrkreise und den Waterlooplatz eroberte, fand dort um elf Uhr die Auftaktkundgebung statt. Redner*innen und Musiker*innen verschiedenster Gruppen und Bewegungen zeigten, dass der Widerstand gegen das Ausbauvorhaben des Südschnellwegs in Hannover breit aufgestellt ist. Dieser Widerstand ist Teil eines bundesweiten Aktionswochenendes, zu dem fast 70 Proteste unter dem Motto #MobilitätswendeJetzt stattfinden.

Stoppschild fürs Bundesverkehrsministerium

In Hannover geht es um den Südschnellweg, der nach aktuellen Plänen nicht nur in der bestehenden Breite saniert werden soll, wie es nötig wäre, sondern für mehr und für schnelleren Autoverkehr ausgebaut werden soll. Gina Burgdorf von den Fridays for Future übt in ihrer Rede auf dem Trammplatz scharfe Kritik am Bund: Die Planungen von Andreas Scheuer und seinem Bundesverkehrsministeriums zerstörten Natur, ignorierten komplett den Radverkehr und förderten klimaschädliche Mobilität – im klaren Widerspruch zum Bekenntnis von Stadt und Region Hannover zur Verkehrswende und zum Erhalt der Artenvielfalt. Sie weist darauf hin, dass der Verkehrssektor in Deutschland der einzige ist, in dem es seit 1990 nicht gelungen ist, die Emissionen zu senken.

Ulrike Wach von Extinction Rebellion stellt fest: „Den Ausbau von Schnellstraßen können wir uns schlicht nicht mehr leisten – auch nicht finanziell, denn dieses Geld muss in zukunftsfähige Mobilität fließen.“ Sie fordert angesichts der Herausforderung, das 1,5-Grad-Limit nicht zu reißen, dass ab sofort jede verkehrspolitische Maßnahme eine drastische CO2-Reduktion bewirken müsse.

Vom Südschnellweg zur Südautobahn?

Andrea Block von den Parents4Future hat sich den Bundesverkehrswegeplan genauer angesehen und das Gegenteil darin gefunden: Neben den Südschnellweg-Plänen sollen noch drei weitere, große Streckenabschnitte der B65 massiv ausgebaut werden. Sie fürchtet, dass die B65 zwischen Bad Nenndorf und Peine zu einer „Südautobahn“ ausgebaut werden soll, die die A2 entlastet. Als Landwirtin im Umland sei sie selbst bereits jetzt von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen durch erschwerte Eigenwasserversorgung, Dürre, Baumsterben. Sie appelliert eindringlich auch an die Landwirte, gegen die aktuellen Pläne aktiv zu werden.

Eine Grußbotschaft verdeutlicht den globalen Zusammenhang von Klimagerechtigkeit; sie berichtet von den lebensgefährlichen Kämpfen indigener Gemeinschaften etwa in Mexiko gegen zerstörerische Infrastruktur-Großprojekte, an denen auch deutsche Unternehmen beteiligt sind.

Helene Grenzebach vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Region Hannover fordert mehr Platz fürs Rad statt einen Südschnellwegausbau. Sie ist wütend, dass die Situation für Fahrradfahrer*innen durch die Baumaßnahme in alle Richtungen schlechter würde: „Ich komme mit dem Rad nicht mehr über den Südschnellweg drüber, wenn ich in die Stadt will. Und ein Radweg entlang des Südschnellwegs, der anfangs geplant war, wurde einfach wieder gestrichen. Die fadenscheinigen Argumente: Zu teuer. Und es gibt schon Radwege. Wir werden keine Ruhe geben.“

Oberbürgermeister Belit Onay unterstützte die Forderungen der Teilnehmer*innen und machte deutlich, dass die Stadt eine Verkehrswende braucht, wenn sie bis spätestens 2035 - wie vom Rat beschlossen - klimaneutral werden will. Der geplante Südschnellwegausbau stehe diesem Ziel entgegen. 

Dass es neben dem Widerstand gegen die klima- und umweltpolitisch verheerenden Pläne noch einen anderen Grund gibt, sich der Demo anzuschließen, macht Dete Rehbock, Velo-City-Night-Initiator deutlich: Es gehe ums „Radfahren, weil es die schönste Form der Mobilität ist. Wir erobern die Stadt.“

Hintergrund:
Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt: es braucht entschlosseneres Handeln fürs Klima. Der geplante Ausbau des Südschnellwegs durch die Leinemasch ist damit nicht vereinbar. Die Fahrraddemo über den Südschnellweg ist Ausdruck des gewachsenen lokalen Protests gegen den Ausbau und stellt diesen gleichzeitig in einer Reihe mit ähnlich unsinnigen Ausbauvorhaben des Bundesverkehrsministeriums. Die Demonstration ist Teil des bundesweiten Aktionswochenendes vom 4. bis 6. Juni, an dem bundesweit fast 70 Proteste unter dem Motto #MobilitätswendeJetzt stattfinden. Die Initiatoren schließen sich in ihrer Forderung nach einem sofortigen Moratorium für alle Planungen und Ausbauvorhaben von Autobahnen und Autostraßen zusammen. https://wald-statt-asphalt.net/mobilitaetswendejetzt/

Die Petition gegen den Ausbau des Südschnellwegs haben bereits über 11.000 Menschen unterzeichnet. Link zur Online-Petition: https://weact.campact.de/petitions/keine-autobahn-durch-die-leinemasch

Für Rückfragen:
David Egerton (Extinction Rebellion): 01577 3896176
Arne Käthner (HannovAIR Connection): 0176 96449668
Annette Teuber: (ADFC Region Hannover): 0157 52653064

Bündnis gegen den Ausbau des Südschnellwegs
ADFC Region Hannover
ADFC Stadt Hannover
BUND Region Hannover
Extinction Rebellion Hannover
FridaysForFuture Hannover
Greenpeace Hannover
HannovAIR Connection
Hannover summt!
NABU Hannover
Naturschutzjugend NAJU Niedersachsen e.V.
ParentsForFuture Hannover und Region
PsychologistsForFuture Hannover
PlatzDa!
Transition Town Hannover
VCD Hannover
VeloCityNight

 


https://hannover-stadt.adfc.de/pressemitteilung/verkehrswende-jetzt-3000-menschen-demonstrieren-gegen-ausbau-des-suedschnellweg

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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